Konzept der Andreasschule zur Tabakprävention


Vorwort

„Das Rauchen ist im Schulgebäude und auf dem Schulgelände während schulischer Veranstaltungen sowie bei Schulveranstaltungen außerhalb der Schule verboten. Die Schule entwickelt unter Einbeziehung der Schülerschaft und der Erziehungsberechtigten ein Präventionskonzept mit dem Ziel, die heutige und zukünftige Generation vor den gesundheitlichen, gesellschaftlichen, umweltrelevanten und wirtschaftlichen Folgen des Tabakkonsums sowie des Passivrauchens zu schützen.“ (Erlass MK vom 03.06.2005)
Ferner ist per Gesetz allen Jugendlichen unter 16 Jahren das Rauchen untersagt und die Abgabe von Tabakwaren an diese Altersgruppe verboten. Von einer großen Zahl Jugendlicher wird das Rauchverbot in der Schule jedoch nach wie vor nicht beachtet.
Rauchende Schüler und Schülerinnen stellen die Schule damit sowohl vor Disziplin- als auch vor rechtliche Probleme. Angesichts der beträchtlichen gesundheitlichen Risiken, die mit dem Rauchen verbunden sind, steht die Schule daher in der Pflicht, den ihr aufgegebenen Auftrag zur Gesundheitsförderung mit Nachdruck wahrzunehmen.
Grundlegend hierbei ist die Erkenntnis, dass die gesundheitlichen Schädigungen umso schwerwiegender sind, je früher das Einstiegsalter in den Tabakkonsum ist. Gleiches gilt für die Entstehung einer späteren Abhängigkeit. Andererseits sind die Chancen auf einen Ausstieg in einem frühen Stadiums des Rauchens besonders hoch, weil sich das Konsummuster junger Menschen zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr noch nicht vollständig verfestigt hat. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass eine schulische „Politik“ zum Nichtrauchen außerordentlich erfolgreich sein kann.

Eine rauchfreie Schule beinhaltet mehr als nur ein Rauchverbot. Alle am Schulleben beteiligten Menschen dürfen nun nicht mehr auf dem Schulgelände rauchen. Um dies zu gewährleisten, ist ein umfassendes und ganzheitliches Konzept nötig, dass sich auf die Vielschichtigkeit des Rauchens bezieht und sich nicht allein nur auf Verbote beschränkt.

In einer Arbeitsgruppe, die sich aus Schülern, Eltern- und Lehrervertretern sowie dem Schulleiter zusammensetzte, wurde ein Präventionskonzept verfasst, welches dieser Vielschichtigkeit gerecht werden soll. Unterstützt wurde diese Arbeitsgruppe von der Präventionsfachkraft Regina Haack von der Fachstelle Sucht und Suchtprävention im Landkreis Verden. Sie stand der Arbeitsgruppe von der ersten Einführung des Themas in der Gesamtkonferenz bis zur Konzepterstellung beratend zur Seite und wird der Schule vorerst auch weiterhin im Rahmen der Präventionsarbeit zur Verfügung stehen.

Die Vorteile eines Programms für die gesamte Schule sind:

  • Das abgestimmte Vorgehen in Bezug auf rauchende SchülerInnen stärkt Autorität und Glaubwürdigkeit des Kollegiums.
  • Die Einigung aller an Schule beteiligten Gruppen schafft die besten Voraussetzungen für einen Präventionsansatz an der Schule.
  • Die Schülerinnen und Schüler profitieren von den allgemeinen suchtpräventiven Maßnahmen, die langfristig und kontinuierlich im Unterricht in allen Jahrgangsstufen angeboten werden.
  • Es gibt keine „Sonderbehandlung“ für einen Schüler bzw. für Schüler einer Klasse.
  • Pädagogische und suchtpräventive Maßnahmen erfahren eine strukturelle Unterstützung durch das nachfolgende Regelwerk


Die Ausgangssituation

Obwohl die Andreasschule sich bereits vor längerer Zeit auf ein einheitliches Vorgehen bei Verstößen gegen das Rauchverbot in der Schule geeinigt hat, sind weitere Regelverstöße in diesem Zusammenhang wie z. B. auch das Erpressen von Zigaretten, das Verlassen des Schulgrundstückes während der Pausen etc. festzustellen.

Solchen Konflikten mit rauchenden Schülern stehen die Lehrer und Lehrerinnen zuweilen recht hilflos gegenüber. Zudem ist davon auszugehen, dass die Schüler und Schülerinnen eine z. T. uneinheitliche Praxis der Durchsetzung der Regeln auch als inkonsequent bzw. ungerecht erleben.

Insbesondere mit Blick auf den Schutz der Schüler und Schülerinnen des Primarbereiches kommt den älteren Schülern und den Lehrkräften eine besondere Vorbildfunktion zu.

Dies alleine schon macht die Erarbeitung und die Umsetzung eines schulischen Suchtpräventionskonzeptes notwendig.

Handlungsmöglichkeiten

Für die Entwicklung und Umsetzung eines gemeinsam getragenen schulischen Programms muss ein Konsens zwischen allen am Schulleben beteiligten Gruppen zum Umgang mit dem Rauchen gefunden werden.

Eine wirksame Regelung wird es kaum geben, wenn das Rauchen lediglich als punktueller Regelverstoß von einzelnen Lehrkräften unterschiedlich thematisiert und sanktioniert bzw. unterschiedlich darauf reagiert wird.

Bei den in Frage kommenden Maßnahmen ist zu unterscheiden zwischen

➢    pädagogischen/disziplinarischen Maßnahmen bei Regelverstößen
➢    flankierenden präventiven Maßnahmen
➢    motivierenden Maßnahmen


Neben dem übergeordneten globalen Ziel einer „rauchfreien Schule“, das nicht einfach nur durch Vorschriften und Verbote erreicht werden kann, sollen folgende Maßnahmen umgesetzt werden:

➢    Vertiefte Information der schulischen Gruppen zu Suchtfragen und zur Suchtprävention
➢    Stärkung der Lebenskompetenzen wie z. B. Standfestigkeit und Konfliktlösungsstrategien
➢    Vermeidung von späteren Gesundheitsschädigungen der Schüler durch Reduktion des Rauchens
        oder Verzögerung des Eintrittsalters
➢    Stärkung der Schüler als Nichtraucher
➢    Erhöhung der Glaubwürdigkeit schulischer Regeln und der Autorität des Schulkollegiums
➢    Verringerung der Konflikte zwischen Schülern und Lehrkräften


Dabei ist von einem breiten Spektrum von Maßnahmen auszugehen:

➢    Regeln zum Umgang mit rauchenden Personen in der Schule
➢    Sanktionen für Personen, die gegen diese Regeln verstoßen
➢    Weitere suchtpräventive Maßnahmen (Informations- und Unterrichtsangebote, 
        Lebenskompetenzförderung, Raucher-Reflektionskurse, ggf. Ausstiegshilfen)


Dabei ist zu bedenken, dass sich auch schulische „Strukturmerkmale“ wie Überbetonung von Leistungssituationen, eine zu starke kognitive Gewichtung des Unterrichts, Schulklima, die räumliche Situation und die Ausstattung der Schule, Schule als sozialer Lebensraum … günstig bzw. ungünstig auf die Gesundheit der Schüler – und damit auch auf den Umgang mit Suchtmitteln – auswirken können.
Aus diesem Grund haben sich bereits auch andere Projekte entwickelt wie z.B. Streitschlichterausbildung, Pausenhofgestaltung, „Buddy – Projekt“ die dieses Suchtpräventionskonzept ergänzen.

Entwickeln von Regeln zum Umgang mit dem Rauchen in der Schule

Wissenschaftliche Studien belegen, dass an Schulen mit einem klaren Regelwerk zum Nichtrauchen und konsequenter Umsetzung dieser Regeln der Anteil rauchender Schüler deutlich geringer ist als an Schulen ohne Regelwerk.

Regeln zum Umgang mit dem Rauchen entfalten aber nur dann eine hinreichende Wirkung, wenn sie im Raum Schule eine mehrheitliche Akzeptanz aller am Schulleben beteiligter Personen finden.

Mit der Unterstützung der Präventionskraft Frau Haack wurde das folgende Regelwerk in einer Lehrerkonferenz vorgestellt und diskutiert. In einer Gesamtkonferenz wurde es dann in der vorliegenden Form gebilligt und verabschiedet.

Kommuniziert wird das Regelwerk an den verschiedensten Stellen:
•    In jeder Klasse während des Unterrichtes
•    Einmal jährlich in der Gesamtkonferenz der Schule
•    Bei Eintritt in die Schule
•    An einer Pinwand, die ausschließlich zum Thema „rauchfreie Schule“ von allen Beteiligten hergestellt,
     gestaltet und gepflegt wird

Die Eltern und Erziehungsberechtigten erhalten eine Informationsschrift über das Konzept und die Ziele der „rauchfreien Schule“. Die Kenntnisnahme dieser Informationsschrift ist von den Sorgeberechtigten schriftlich zu bestätigen. In diesem Schreiben werden die Eltern gebeten, das Projekt der Schule zu unterstützen. Die Schülerinnen und Schüler sollen nach ausführlicher Erörterung des Konzeptes in der Klasse ebenfalls die Kenntnisnahme des Regelwerks schriftlich bestätigen.

Regelwerk
 
REGELN  -  KONSEQENZEN  -  HILFEN bei Verstößen gegen das Rauchverbot an unserer Schule:

1.    Schritt  

  • Information des Klassenlehrers
  • Eintrag in den Raucherordner (*Anlage 1)
  • Kurzes Gespräch mit Schüler oder Schülerin           
  • Ausfüllen des Fragebogens zum Rauchverhalten unter Aufsicht (*Anlage 2)


2.    Schritt  

  • Information des Klassenlehrers
  • Kurzes Gespräch mit Schüler oder Schülerin           
  • schriftliche Information an die Eltern (*Anlage 3)
  • Eintrag in den Raucherordner
  • Schreiben der „Rauchergeschichte“ unter Aufsicht (*Anlage 4)


3.    Schritt    

  • Information des Klassenlehrers
  • Eintrag in den Raucherordner
  • Kurzes Gespräch mit Schüler oder Schülerin            
  • Gespräch mit den Eltern (evt. mit Schüler zusammen)
  • Bearbeitung eines thematischen Arbeitsblattes unter Aufsicht
  • Ankündigung der Teilnahme am Reflexionskurs zum Thema
  •  Rauchen

4.    Schritt  

  • Teilnahme am Reflexionskurs (Fachstelle für Sucht und Suchtprävention)


Grundsätzlich gilt für alle Schritte:
Die beobachtende Lehrkraft nimmt den Eintrag in den Raucherordner vor und informiert gleichzeitig die Klassenlehrkraft.
Bei den Gesprächen mit dem Schüler bzw. der Schülerin wird bereits der jeweils nächste Schritt angekündigt.

Flankierende Maßnahmen

1. Suchtprävention im Unterricht
Durchführung von suchtpräventiven Maßnahmen im Unterricht. Sowohl lebenskompetenzfördernde Inhalte als auch die suchtspezifische Informationsvermittlung sind in 8 Unterrichtstunden pro Schuljahr ab Jahrgang 3 verbindlich durchzuführen. Der Klassenlehrer ist für die Umsetzung verantwortlich (Absprache mit den Fachlehrkräfte der Klasse in Bezug auf Inhalt und Durchführung). Auf folgende Materialien kann zurückgegriffen werden:
PEP -
BASS – Bausteinprogramm schulische Suchtvorbeugung
Werkstoffkoffer – Leben ohne Qualm (siehe Anlagen)


2. Zusätzliche Maßnahmen
•    Projekttage in einzelnen Klassenstufen
•    Teilnahme an Wettbewerben z.B. „Be smart – don´t start“
•    Ausstiegshilfe wie Just 4 You  ( Werden auf Anfrage von der Fachstelle Sucht und Suchtprävention durchgeführt)
•    Elternabende / Elterninformation
•    Weitere Möglichkeiten wie Pinwand, Briefkasten zum Meinungs- und Informationsaustausch
•    Schulungen für Lehrkräfte  (u.a. durch die Fachstelle)
•    Langfristig werden Möglichkeiten geschaffen die es ermöglichen, das regelkonforme Verhalten nicht rauchender Schülerinnen und Schüler durch ein Belohnungssystem zu honorieren.


Einmal im Schuljahr soll das Suchtpräventionskonzept in Bezug auf seine Umsetzbarkeit und Effizienz thematisiert und ggf. aktualisiert und damit den notwendigen Erfordernissen angepasst werden.

Eine Druckversion (PDF-Datei) zum Download finden Sie hier...